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Freitag, 21. Oktober 2016

Symposium "Prix de Quervain" 2016 (Freitag, 25. November 2016, ab 18 Uhr, Alpines Museum, Helvetiaplatz 4, 3005 Bern)

Begrüssung: Beat Hächler, Direktor Alpines Museum der Schweiz „alps“

Einführung: Prof. Hubertus Fischer, Swiss Committee on Polar and High Altitude Research

Gastvorträge
 - Prof. Dr. Thomas Stocker, Universität Bern: Polarforschung: Der Schlüssel zum Verständnis des Systems Erde

- PD Dr. Helge Niemann, Universität Basel: Gas Hydrate im Ozean: potentielle Energiequelle, Risiko und dynamischer Methanspeicher

Präsentation der prämierten Arbeiten
- Dr. Lea Steinle, Universität Basel: Environmental controls on marine methane oxidation: From deep-sea brines to shallow coastal systems

- Adrien Michel, Universität Bern: Transient Modeling of Borehole Temperature and Basal Melting in an Ice Sheet

Verleihung des Prix de Quervain für Polar- und Höhenforschung durch Prof. Hubertus Fischer, Swiss Committee on Polar and High Altitude Research

Apéro

Swiss Committee on Polar and High Altitude Research (A Committee of the Swiss Academies of Arts and Sciences) Anmeldung (bis 13. November)

Samstag, 8. Oktober 2016

Expertise bei der Erforschung eisbedeckter Gebiete: Schweiz stellt am Arctic Circle in Reykjavik ihr Engagement in der Arktis vor (EDA, Medienmitteilung)

Bern, 07.10.2016 - Im Rahmen des Arctic Circle in Reykjavik, der weltweit grössten Konferenz, die sich der arktischen Region und seinen wissenschaftlichen, politischen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen widmet, präsentiert die Schweiz ihr Engagement und ihre Aktivitäten in der Arktis. An der vom 7. bis 9. Oktober 2016 dauernden Konferenz stehen Fragen im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels im Zentrum. Die Schweizer Delegation, der Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wissenschaft angehören, wird von Staatssekretär Yves Rossier geleitet. Die Teilnahme am Arctic Circle findet vor dem Hintergrund der schweizerischen Kandidatur für den Beobachterstatus im Arktischen Rat statt.

Die Schweiz ist eingeladen worden, an der 4. Versammlung des Arctic Circle ihr Engagement und ihre Aktivitäten in der Arktis vorzustellen. Diese Gelegenheit wird die Schweiz dazu nutzen, die Parallelen zwischen der Schweiz und den Ländern des Nordens aufzuzeigen. Gletscher haben die Landschaft der Schweiz massgeblich geformt. Wie die grönländische Eiskappe sind sie besonders vom Klimawandel betroffen. Die Schweiz hat in der Höhenforschung sowie in der Erforschung der Kryosphäre, das heisst des Bereichs der die Erde bedeckenden Eismassen, eine langjährige Erfahrung und Tradition vorzuweisen. Diese Expertise findet seit vielen Jahren Eingang in verschiedene Forschungsprojekte in der Arktis. Das bedeutendste Projekt ist die Forschungsstation Swiss Camp im Osten Grönlands, wo seit über 20 Jahren Klimamessungen durchgeführt werden.

In einer Plenarsitzung sollen die zahlreichen Interaktionen zwischen der Schweiz und der arktischen Region sowie ihr wissenschaftliches Engagement hervorgehoben werden. Staatssekretär Yves Rossier, Nationalrätin Tiana Angelina Moser, Frederik Paulsen, Mitbegründer des neuen Swiss Polar Institute, Konrad Steffen, Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), und Matthias Finger (EPFL) werden daran teilnehmen.

Die Teilnahme am Arctic Circle findet vor dem Hintergrund der schweizerischen Kandidatur für den Beobachterstatus im Arktischen Rat statt. In diesem zwischenstaatlichen Gremium haben nebst den acht Anrainerstaaten der Arktis (Kanada, Dänemark, Finnland, Island, Norwegen, Russland, Schweden und die USA), die indigenen Völker sowie Länder mit bedeutendem Engagement in der Region Einsitz.

Arctic Circle 
Die Eisschmelze in der Arktis ermöglicht neue Handelswege zwischen Asien und Europa, beschleunigt den Klimawandel und erleichtert den Zugang zu grossen bis anhin ungenutzten Rohstoffvorkommen. Damit einhergehende politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und ökologische Fragen sollen an der diesjährigen Konferenz des Arctic Circle thematisiert werden.

Der Arctic Circle ist ein internationales Forum, an dem jedes Jahr politische Entscheidungsträger, Wirtschaftsverantwortliche, Umweltexperten, Wissenschaftler sowie Vertreter der indigenen Bevölkerung teilnehmen. Ziel der Konferenz ist es, den Dialog zwischen den Akteuren zu intensivieren und die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die Zukunft der Arktis zu lenken.

Mit Blick auf die zunehmend strategische Rolle der Arktis hat der Arctic Circle rasch an Bedeutung über die Anrainerstaaten der Arktis hinaus gewonnen. So haben sich 2015 rund 2‘000 Personen aus 50 Ländern in Island eingefunden, um über die Zukunft der fragilen Region zu sprechen.

Autochthone Völker und Kultur
Die Schweiz interessiert sich in Zusammenhang mit der Arktis nicht nur für wissenschaftliche, sondern auch für kulturelle Fragen. Unter anderem setzt sie sich dafür ein, dass die indigene Bevölkerung in die Diskussionen miteingebunden wird. Im Rahmen eines Side Event des Arctic Circle werden schweizerische und grönländische Gäste die Folgen des Klimawandels für die Bewohner der Arktis diskutieren. Des Weiteren widmet sich eine Ausstellung den Aktivitäten der Schweiz in der Polarregion und zeigt die zahlreichen Verbindungen zwischen unserem Land und der Arktis auf.

Medienmitteilung EDA

Arctic Circle

Freitag, 23. September 2016

INUIT Galerie am Central (Zürich): Newsletter September 2016

Wer sich in der Arktis aufhält, trifft oft auf verschwiegene Menschen. Für Inuit ist Schweigen eine Tugend, die als Respektbezeugung verstanden wird. Dies versteht sich von selbst, denn in einer Gesellschaft, die auf Jagd aufbaut sind schwatzhafte Menschen bedrohlich. Sie vertreiben das Wild und beeinträchtigen damit die Gemeinschaft. Gelegentlich hat die Verschwiegenheit der Inuit aber andere Gründe, die kulturell bedingten Missverständnissen entspringen. Aus ihnen lässt sich lernen.

Inuit verlassen sich auf die Annahme, dass alle Mitglieder einer Gemeinschaft freiwillig ihre Pflichten zum Wohle der anderen wahrnehmen, dies gilt besonders für das Teilen von Nahrung und Unterkunft. In der bedrohlichen Lebensumgebung der Arktis muss darüber nicht gesprochen oder verhandelt werden. ‚Isuma’, der tiefe Respekt vor persönlichen Gedanken und Ansichten jedes einzelnen, hat zur Folge, dass Inuit selten Forderungen aussprechen, andere Ansichten nicht in Frage stellen und keine Meinung äussern! Sie schweigen. Das betrifft auch die Beurteilung ihrer Kunstwerke! In der westlich orientierten Kultur hingegen erlangen Ansichten erst dann Gewicht, wenn sie mit anderen diskutiert wurden. Persönliche Meinungen müssen dazu notwendigerweise ausgesprochen und verhandelt werden. Erst das Äussern von Forderungen und Ansichten führt nach westlicher Auffassung zu gemeinsamen Übereinkommen und bindet die Gemeinschaft unter einem gemeinsamen, wortreich geschlossenen Kompromiss.
Das Aufeinanderprallen dieser beiden gedanklichen Konzepte fordert Inuit und Qablunaat (Weisse) bis in die gegenwärtige Zeit. Die ältere Generation der Inuit begreift westliche Aufforderung zum Austausch von Ansichten und Diskussionen als aggressive Missachtung von Respekt. Um ein Gefecht – und sei es nur ein Wortgefecht – zu verhindern, reagieren Inuit mit 'ilira', einem Verhaltenskodex, der sich in widerstandsloser Zustimmung und schweigender Nachgiebigkeit zeigt. Dies sind alte und sehr effiziente Wege, Konflikte zu vermeiden, besonders jene mit Fremden. Keinen Widerstand zu leisten spart zudem Kräfte, die anderswo besser eingesetzt sind. Diesen weisen Pragmatismus haben Inuit von der unerbittlichen Natur der Arktis gelernt, die ihnen jede Eitelkeit und individualistische Selbstbezogenheit verbietet. Das Zurschaustellen eigener Individualität und persönlicher Meinung gilt dort als Dummheit. Westliche zivilisierte Menschen erachten Individualität und eigene Ansichten als Ausdruck einer ausgeprägten Persönlichkeit und es gilt als Reife. Reden oder Schweigen kann also einen grossen Unterschied machen.

Wer der Denkweise der Inuit auf die Spur kommen möchte, kann dies tun, indem er die leise Sprache ihrer Kunstwerke verstehen lernt! Gelegenheit dazu haben Sie jederzeit in der INUIT Galerie am Central! Sie sind herzlich willkommen!

Jeannine Bromundt

Anmeldung für den Newsletter

Mittwoch, 7. September 2016

Die Erforschung der Arktis aus der Luft – Tagung anlässlich des 85. Jahrestages der Arktisfahrt des “Graf Zeppelin” (Donnerstag, 6. bis Freitag, 7. Oktober 2016, Zeppelin Museum, Friedrichshafen)

Donnerstag 6.10.2016

13:30-14:00 Registrierung

14:00-14:45 Mit dem Ballon zum Nordpol, Dieter Etling, Hannover

14:45-15:30 Der erste Aufstieg eines Luftschiffes in der Arktis: Die Wellman Chicago Record-Herald Expedition und die Lernersche Photogrammetrie-Expedition nach Spitzbergen 1907, Siegfried Niklas, Frankfurt am Main

15:30-16:15 Der Anfang der Erschliessung der Arktis aus der Luft: Jan Nagórski und die Bedeutung seiner Flüge im Jahr 1914, Erki Tammiksaar, Tartu, Estland

16:15-16:45 Kaffeepause

16:45-17:30 Meteorologische Messungen mittels Luftfahrzeugen im Wirken von Alexander Friedmann, Karl-Heinz Bernhardt, Berlin

17:30-18:15 Lincoln Ellsworth (1880-1951), Rolf Reimann, Gipf-Oberfrick, Schweiz

19:00-20:00 Öffentlicher Abendvortrag Norge, Italia und Graf Zeppelin 1926-1931: Fünf Jahre Luftschiffe in der Arktis, Cornelia Lüdecke, München

Gemeinsames Abendessen im Restaurant des Zeppelin Museums

Freitag 7.10.2016

9:00- 9:45 Walther Bruns und die Internationale Studiengesellschaft zur Erforschung der Arktis mit dem Luftschiff e.V. (Aeroarctic), Diedrich Fritzsche, Potsdam

9:45-10:30 Hugo Eckener und Sven Hedin mit Luftschiff über den Himalaya?, Batkhishig Tserennyam, Hamburg

10:30-11:15 (K)ein ausgezeichnetes Mittel der Forschung? Das tragische Unglück der Italia und die Auswirkungen auf den Einsatz von Luftschiffen in der kosmischen Höhenstrahlungsforschung, Vanessa Cirkel-Bartelt, Wuppertal

11:15-11:45 Kaffeepause

11:45-12:30 Die Aeroarctic und die Arktisfahrt des Luftschiffes LZ 127 „Graf Zeppelin“, Barbara Schennerlein, Dresden

12:30-13:15 Forschungsflugzeug "Falcon" in Spitzbergen im Jahr 1984: Erste gezielte Nadelstiche in die arktische Atmosphäre, Hans Volkert, Oberpfaffenhofen

13:15-13:30 Schlussworte

14:30 Führung durch das Zeppelin Museum

Deutsche Gesellschaft für Polarforschung e.V. (DGP), Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG)

Tagungsausschreibung























Bildnachweis: Mittelholzer, Walter (Hg.): Im Flugzeug dem Nordpol entgegen. Junker’sche Hilfsexpedition für Amundsen nach Spitzbergen 1923. Mit Beiträgen von Kurt Wegener, A. Miethe und H. Boykow. Zürich 1924, Abbildung 7: „Expeditionsmitglieder vor der Junkersmaschine bei der Funkenstation. Von links nach rechts: A. Neumann, H.H. Hammer, F. Duns, W. Mittelholzer. Oben: W. Löwe, Holbein, Wedekind“.

Freitag, 17. Juni 2016

Franz Boas (1858-1942) - Showcase 37 der Galerie Central (Zürich)

Als der junge Ethnologe Franz Boas mit 24 Jahren beschloss, eine Reise in die Arktis zu unternehmen, war seine Faszination am Hohen Norden schon lange entwickelt. Mit seinem Diener Wilhelm Weike bestieg er im August 1883 im Hamburger Hafen ein Schiff, um in das Land seiner Sehnsucht zu gelangen. Er nannte es in seinen Schriften «Baffinland», das heutige Baffin Island. Die Expedition wurde vom «Berliner Tagblatt» und privaten Geldgebern finanziert und Boas lieferte als Gegenleistung regelmässige Berichte an die Zeitung. Ein Transkript des ersten Artikels, der am 4. August 1883 erschien, lesen Sie hier: Galerie Central (Zürich)

Franz Boas (1858-1942) als Robbenjäger posierend (Galerie Central, Zürich)

Montag, 9. Mai 2016

Pole to Pole - Der Wahlschweizer Mike Horn beginnt Weltumrundung

Am Sonntag ist der in der Schweiz lebende Extremsportler Mike Horn in Monaco zu einer Weltumrundung aufgebrochen. Seine Reise umfasst auch eine Tour durch die Antarktis.
NZZ vom 9.5.2016  Website Mike Horn

"Snow, ice, waves or wind, don't ever see your problems bigger than what they are." (Website Mike Horn)

Montag, 18. April 2016

Newly created Swiss Polar Institute to launch an Antarctic expedition

The future of the Earth’s poles is critical. In the coming decades, major international negotiations will focus on the polar regions, which are bearing the brunt of global warming. Switzerland, intent on having its voice heard and making a contribution in a field in which it already has solid expertise, today announced the creation of the Swiss Polar Institute (SPI). This new interdisciplinary center will be devoted to researching the Earth's poles and other extreme environments. The SPI, based at the Swiss Federal Institute of Technology in Lausanne (EPFL), is a consortium of Swiss universities – EPFL, the Swiss Federal Institute for Forest, Snow and Landscape Research WSL, ETH Zurich and the University of Bern – and was cofounded with Editions Paulsen. Officially supported by the State Secretariat for Education, Research and Innovation (SERI), the SPI is a Swiss initiative with a decidedly international mission.

Polar explorer Frederik Paulsen is proud to be involved in this initiative: “The Swiss Polar Institute will help drive research in extreme environments, contribute to progress in the field of polar science and promote cooperation among public and academic institutions, industry and private-sector partners.”

To mark its launch, the SPI is organizing a major project: the Antarctic Circumnavigation Expedition (ACE) will be the first scientific expedition to fully sail around the southernmost continent. The purpose of this expedition, with key logistical support from Ferring Pharmaceuticals, will be to measure and quantify the impact of climate change and pollution in the Southern Ocean.  

More than 50 researchers
At the end of December 2016, some 50 researchers from around the world will set off for three months onboard the Akademik Treshnikov, a Russian ship dedicated to scientific research. Twentytwo research projects – submitted by teams from Switzerland, the UK, France, Australia, etc. – were selected for the expedition. The projects range from glaciology to climatology, biology and oceanography.

This expedition neatly illustrates the SPI’s mission: the Swiss Polar Institute is designed to be a platform for global experts in polar research to bring their combined knowledge to bear – such as by drawing parallels between polar environments and alpine regions. This is similar to what is being done in the field of space research. “Swiss universities owe their competitiveness to a shrewd approach of competing and cooperating with each other at the same time,” said Mauro Dell'Ambrogio, State Secretary for Education, Research and Innovation. “The Swiss Polar Institute is a great example of intelligent cooperation.”

The Institute’s role will also be to assess the state of the Earth's poles and climate in general, to outline the many challenges we face going forward and to keep the public informed. Its work is bound to have an impact on the development of new technologies for extreme environments. The SPI will be an important asset for Switzerland, which aims to play a key role in international agreements on the future of the polar regions. This includes discussions on the Antarctic Treaty.

The Earth’s climate balance is at stake 
The Earth’s poles are fundamental to the planet's climate balance, and learning more about how they work through research is crucial. The climate, which is regulated by the interaction of atmospheric and oceanic currents, acts like a massive heat engine. This engine is powered by the transfer of heat between polar and tropical regions: currents of icy water deep in the ocean travel from the poles toward the equator, while warm water and air move across the ocean’s surface towards the frigid zones. This complex and fragile mechanism also plays a key role in the carbon cycle, in which the ocean absorbs a significant amount of the CO2 in the atmosphere.

Human settlement and activities may be concentrated far from the Earth’s poles, but they directly affect polar environments. “The poles are essential for climate balance, but they are also the regions where changes are most apparent: that’s where the largest temperature differences have been recorded,” said Philippe Gillet, vice president of EPFL and a specialist in Earth and planetary science. The 2015-2016 winter was the mildest on record at the North Pole. December and January temperatures there, normally close to -20°C, were above freezing.

Potential discoveries 
The 22 projects selected for the expedition cover a spectrum of topics, including the composition of plankton, threatened animal species, the presence of microplastics in the surrounding water, the carbon cycle, microorganisms that flourish in the ocean depths or in ice, and the impact of waves on the coasts.

“The ACE initiative is a unique and precious opportunity”, says ACE Panel member Prof. Jean Jouzel, glaciologist and climatologist. “Bringing together multi-disciplinary projects to circumnavigate Antarctica and gathering scientific evidence in a region so remote and yet deeply affected by human activity and climate change will hugely contribute to our understanding of past and future evolution of the Southern Ocean. It is a key region for the carbon cycle and the Antarctic continent which may significantly contribute to the sea-level rise in the coming centuries“.

The projects will make use of the most advanced data collection and analysis technologies available. In addition, because they will be run in extreme environments, the projects will provide insight into biochemical compounds and microorganisms that up to now have been studied little if at all. The results could lead to discoveries and new and interesting applications in the fields of biotechnology, medicine and environmental science. (Sarah Perrin / EPFL) Press kit
NZZ Berner Zeitung


Dienstag, 15. März 2016

Calling the Animals - Arktische Geschichten gezeichnet, gedruckt und in Stein gemeisselt (Sonderausstellung im NONAM Zürich, 17.3. bis 3.7.2016)

Ihre Motive sind Menschen, Mischwesen und vor allem: Tiere. Ihre Szenen entstammen dem arktischen Alltag, überlieferten Mythen und der Fantasie. In archaischen Formen und bizarren Transformationen erzählen sie ihre Geschichten aus dem Eis. Die Rede ist von Inuit-Künstlern in Nunavut. In «Calling the Animals» präsentiert das NONAM Werke aus 45 Jahren «Überlebenskunst» in der kanadischen Arktis (1963 bis 2008) - gezeichnet, gedruckt und in Stein gemeisselt.

Die Bild- und Formensprache der Inuit aus Cape Dorset und Baker Lake ist einzigartig, ihre Druckgrafiken und Steinskulpturen sind unverkennbar. Ende der 1950er Jahre beschritten arktische Jägerkulturen neue Wege. Sie wagten erste Schritte auf künstlerischem Terrain und gewannen ein Leben in relativer Unabhängigkeit. Unter den Vorreitern befanden sich Künstlerinnen und Künstler wie Kenojuak Ashevak, Lucy Tasseor und Luke Anguhadluq, deren Werke heute beachtliche Auktionspreise erzielen und von Kennern und Kunstliebhabern auf der ganzen Welt gesucht sind. Aus dem einstigen Überlebensexperiment ist gefragte Kunst geworden. (NONAM)

Nordamerika Native Museum (NONAM, Zürich)

Luke Anguhadluq (1895-1982), Travelling by Foot (1975) - NONAM, Zürich

Freitag, 29. Januar 2016

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Stockfisch als Nahrungsmittel im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Venedig, von Stefan Kern

Betritt man die Altstadt von Genua auf der Höhe des Palazzo San Giorgio, dem ehemaligen Sitz der Banco di San Giorgio, stösst man schon nach wenigen Schritten auf die in der Via di Sottoripa gelegene pescheria Gianni. Neben der üppigen Auslage fällt einem ein in der Ecke des Geschäfts eingebautes, quadratisches Becken auf. Es ist gefliest, ist etwa einen halben Meter breit und ein Hahn führt ihm frisches Wasser zu. Im Becken gondeln handgrosse Stücke des baccalà [1]: Das ist der hart wie Holz getrocknete Stock- oder der etwas weichere und gesalzene Klippfisch. [2] Etwa zwei Tage lang wird der so konservierte Kabeljau hier gewässert, damit er vom Kunden küchenfertig nach Hause mitgenommen werden kann. Der Kabeljau lebt in gigantischen Mengen in Teilen des Nordatlantiks und im Nordpolarmeer. Das Becken in der Fischhandlung lässt den Schluss zu, dass auch heute noch eine Nachfrage nach Stockfisch besteht.

In Sandrigo, einem nahe der Stadt Vicenza gelegenen Städtchen, wurde 1987 - wohl im Sog der Slow-Food-Bewegung und vielleicht ermöglicht durch eine sogenannte Anschubfinanzierung der EU zur Tourismusförderung, die mit dem Auftrag verbunden war, sich auf lokale Traditionen zu besinnen - die Confraternita del Bacalà alla Vicentina gegründet. Diese Bruderschaft organisiert seither jedes Jahr ein Fest, wo Speisen aus Stockfisch zubereitet werden, und auf ihrer Website empfiehlt sie Gaststätten, die Speisen vom Stockfisch anbieten. [3]

Genua hat das Meer sozusagen vor der Tür, und in Sandrigo, dem nahe von Venedig gelegenen Städtchen, liegt es nah. Also wäre doch anzunehmen, dass daraus auch Fisch zu ziehen wäre. Welches sind die Gründe für die weite Verbreitung des Stockfisches in den christlichen Ländern des Mittelmeerraums? Und auf welchem Weg gelangte er im ausgehenden Mittelalter und der frühen Neuzeit nach Norditalien? Diese Fragen stellte sich der Schreibende anlässlich einer Studienreise nach Genua und Venedig [4], als ihm während einerMittagsrast in einem am Canal Grande gelegenen Restaurant kalte Fischspeisen serviert wurden: auf mit sepia nera eingefärbten, rhombisch ausgestochenen Schnittchen aus Weizengriess. Darunter befand sich auch eins, das mit einer crèmeartigen Masse aus Stockfisch garniert war.

Messer Pietro Querinis Reise zum Polarkreis 
In der unter venezianischer Herrschaft stehenden kretischen Stadt Candia, dem heutigen Heraklion, stach im April 1431 ein Schiff westwärts in See. Die Reise [5] sollte nach Flandern gehen, um dort Holz und Wein zu verkaufen. Das Kommando hatte der etwa dreissigjährige Pietro Querini, der aus einem nicht besonders erfolgreichen Zweig des berühmten und mächtigen venezianischen Geschlechts der Querini stammte. Als Offiziere standen ihm Nicolò de Michiel und Christoforo Fioravante zur Seite. Als reisende Kaufleute befanden sich noch weitere Notabeln an Bord. Die Besatzung zählte insgesamt 68 Mann. Doch nur Querini, Michiel und Fiorovante sowie acht weitere Glückliche kehrten zwischen dem Oktober 1432 und Januar 1433 wohlbehalten nach Venedig zurück. Alle anderen kamen um.

Das Schiff war im November 1431 im Ärmelkanal von einem Sturm erfasst worden, der fünf Wochen lang wütete und das Schiff nach Norden trieb. Schliesslich gelang es am 6. Januar 1432 einer kleinen Gruppe, sich mit einer Schaluppe auf eine verlassene Insel zu retten. Ziegen gleich fristeten sie dort ihr Leben. Nach einem Monat entdeckten Fischer von der nahegelegenen Insel Røst, die zum Archipel der Lofoten gehört, die Männer in ihrer hoffnungslosen Lage. Die Bewohner von Røst waren Christen und besuchten regelmässig den Gottesdienst. Zum Erstaunen und Entzücken der Südeuropäer pflegten sie ganz eigene Sitten.

Fische, von denen es Unmengen gab, wurden auf dem Schnee getrocknet und damit haltbar gemacht. Um sie zu verzehren, wurden sie mit einem Prügel weichgeklopft und mit Butter bestrichen. Schnee fiel während ihres dreimonatigen Aufenthalts fast ununterbrochen. Kleinkinder wurden zur Abhärtung bis zu vier Tage nackt unter das offene Fenster gelegt, wo sie vom Schnee zugedeckt wurden. Ohne Aufheben teilten die Familien ihr Bett mit den Gästen. Stets am Donnerstag begaben sich alle, so wie Gott sie erschaffen hatte, in die Sauna. Querini erfuhr auch, dass sich in 70 Meilen Entfernung der „Arsch der Welt“ befände, so bezeichneten die Bewohner den Malstrom ˗ einen berüchtigten Gezeitenstrom ˗ in ihrer Sprache. Mit dem getrockneten Fisch trieben sie Handel. Schiffe brachten im Sommer den Fang in das südnorwegische Bergen. Im Mai traten Querini und seine Schicksalsgenossen die Heimreise an. Nicht nur die Frauen brachen beim Abschied in Tränen aus. Zum Abschied erhielten sie drei Fladenbrote und 60 Stockfische. Von 13 Einheimischen nach Trondheim gerudert, gelangten sie auf dem Landweg nach Südschweden. Dort trennten sich die Wege Querinis von denjenigen Michiels und Fiorantes. Querini gelangte über London nach Basel, von wo er nach 42 Tagen Venedig erreichte. Ob auch die Stockfische nach Venedig gelangt sind, erwähnt Querini nicht. [6] Es handelt sich um den frühesten überlieferten Bericht eines Südeuropäers über die Lofoten und seine Bewohner.

Die Verwendung des Stockfischs in der Küche Mittel- und Südeuropas
Über den kulinarischen Wert des Stockfisches fällte der italienische Renaissancehumanist Poggio Bracciolini im Jahr 1436 ein nüchternes Urteil: Er sei ohne schlechten Geruch, überhaupt ziemlich geruchlos, wenngleich er als Appetitanreger angenehm sei, und was zu diesem Zweck tauge, könne so schlecht nicht sein. [7]

Zum kulturellen Stellenwert von Fisch als Nahrungsmittel stellte der Mittelalter-Historiker Massimo Montanari fest: „Der konservierte Fisch rief Vorstellungen von wirtschaftlicher Armut und gesellschaftlicher Subalternität hervor; der frische Fisch Bilder des Reichtums, aber eines kaum beneidenswerten Reichtums, denn Fisch macht nicht satt. Er ist ein ‚leichtes‘ Essenu, und gerade deshalb eine Fastennahrung, weil er nur von demjenigen voll genossen werden kann, der nicht den täglichen Hunger vor Augen hat. Aus beiden Gründen hatte es der Fisch schwer, in den Kreis der Nahrungsmittel aufgenommen zu werden, die man grundsätzlich positiv bewertete. Man ass ihn, und zwar reichlich; aber in kultureller Hinsicht blieb er immer ein Ersatz für das Fleisch.“ [8]

Schon 1375 erwähnt der französische Chefkoch Karls V. von Frankreich, Guillaume Tirel, der auch unter dem Namen Taillevent bekannt war, im Manuskript Le Viandier die Zubereitung von Stockfisch: „Gesalzener Kabeljau wird mit Senfsosse gegessen oder er wird mit zerlassener frischer Butter übergossen“ [9] Ein noch älteres, mutmasslich in der ersten Dekade des 14. Jahrhunderts entstandenes Manuskript beschreibt die Zubereitung mit Senf ebenfalls. [10]

Auf keinen geringeren als auf den Philosophen und Kurgast Michel de Montaigne beruft sich die bereits erwähnte Bruderschaft, um ihre Leidenschaft für den Stockfisch sozusagen historisch zu verankern. Montaigne soll während seines kurzen Aufenthalts in Vicenza im Jahr 1580 ein Gericht aus Stockfisch verzehrt haben. In der massgebenden deutschen Übersetzung seines Tagebuchs findet sich diese Episode findet allerdings nicht. [11] Obwohl lange haltbar, konnte Stockfisch verderben. Das Wasser, worin er gewässert worden sei, könne derart stinken, schreibt der Historiker Fernand Braudel, dass es nur nachts in die Gosse geschüttet werden durfte. Und aus einer Quelle aus dem Jahr 1636 lässt er eine Küchenmagd schimpfen: „Mir ist die Fleischzeit lieber als die Fastenzeit […]; viel lieber habe ich doch eine schöne fette Schlackwurst in meinem Kessel und vier Schweinshaxen als solch ein elendes Mittelstück vom Kabeljau!“ [12]

Gadhus morhua (Kabeljau): Vorkommen, Fang und Konservierung
„[Der Kabeljau] ist wie geschaffen zum Überleben. Mit seiner Fruchtbarkeit, seiner Unempfindlichkeit gegen Krankheit und Kälte, seiner Allesfressernatur, seiner Neigung, sich in flachem Wasser und in Küstennähe aufzuhalten, war er der perfekte Fisch für den Handel […]“[13], schreibt der Journalist Mark Kurlansky in seiner Kulturgeschichte über den Kabeljau. Sein Fleisch ist praktisch ohne Fett (0,3 Prozent) und besteht zu mehr als 18 Prozent aus Protein, getrocknet aus 80 Prozent. [14] Damit war er, im Gegensatz zum fetthaltigeren Hering, der seit dem Spätmittelalter in Fässer eingepökelt neben Walfleisch ebenfalls zu einem bedeutenden Handelsgut wurde, bedeutend länger haltbar. [15] Kabeljau wurde vom Februar bis April bei den Lofoten, vor Vesterålen, Island und Schottland gefangen, wenn er zum Laichen flachere Küstengewässer aufsuchte. [16]

Enorm grosse Vorkommen gab es auch vor Labrador, Neufundland, Nova Scotia und vor Maine. Den Wikingern, die auf fünf Fahrten zwischen 985 und 1011 als erste die Gewässer der neuen Welt erreichten, diente Stockfisch als Proviant. Sie benutzten ihn wie Schiffszwieback, indem sie ihn kauten. Bereits im 9. Jahrhundert richteten die Nordmänner Trockenplätze für Kabeljau in Island und Norwegen ein, und den Überschuss vertrieben sie in Nordeuropa. [17]

Basken, vermutlich auf der Suche nach Walen, entdeckten die Fischgründe vor der Neuen Welt im frühen 14. Jahrhundert ebenfalls. Der genuesische Seefahrer Jean Cabot, der das Gebiet 1497 unter englischer Flagge befuhr und der die später so benannte Insel Neufundland entdeckte, nannte sie Isla dos baccalos. [18] Cabot schrieb: „The sea there is swarming with fish which can be taken not only with the net but in baskets let down with a stone so that it sinks in the water.“ [19] Soweit aus der gesichteten Literatur hervorgeht, spielten diese Vorkommen bei der Versorgung norditalienischer Märkte jedoch keine wesentliche Rolle. Die Basken belieferten vorwiegend die Märkte Portugals und Spaniens damit. Lange blieben sie jedoch nicht unentdeckt.

Fernand Braudel über die darauf folgenden Konflikte: „Die den ganzen Fischfang revolutionierende Ausbeutung der Kabeljaubänke vor Neufundland seit dem Ende des 15. Jahrhunderts in grossem Stil führt zu einer Interessenkollision zwischen Basken, Franzosen, Holländern und Engländern. Wie nicht anders zu erwarten, werden die schutzlosen spanischen Basken von den auf starke Flottenverbände gestützten Seemächten England, Holland und Frankreich aus den reichen Fischgründen verdrängt.“ [20]

Der Stockfisch, in Norwegen skreith [21] genannt, wird ungesalzen und geschützt von der Sonne an der nahezu keimfreien und trockenen Luft getrocknet. [22] Klippfisch hingegen wird nach dem Fang aufgetrennt, gesalzen und auf den riesigen, von Gletschern rundgeschliffenen Felsblöcken an der Küste ausgelegt, wo er regelmässig gewendet, ebenfalls an der Luft getrocknet wird. [23]

Zu den klimatischen Voraussetzungen für die Anwendung dieser beiden Konservierungsmethoden schreibt der Fischerei-Historiker Dietrich Sarhage: „Along the Finnmarken coast most catches were dried on racks in the open air to yield stockfish while, further south in the Lofoten area with less favourable climatic conditions for drying, the production of klipfish dominated. The application of salt for curing cod was introduced to Norway in the 18th century from England.” [24]

1. Aus der Karte des Olaus Magnus von 1539
Auf den Lofoten war ab 1100 der Fischfang für den Export von Stockfisch intensiviert worden. Die Arbeitspause in der Landwirtschaft der lofotischen Bauern fiel mit der Laichzeit des Kabeljaus im Februar und März zusammen, wenn er die Gewässer rund um das Archipel aufsuchte. [25] „Nachdem im 14. Jahrhundert der Preis für Stockfisch um das Drei- bis Vierfache gestiegen war, war es für viele Norweger jetzt möglich, allein vom Fischfang zu leben. Reine Fischerdörfer entstanden.“ [26], so der Historiker Ernst Schubert in seinem Standardwerk zur Ernährung im Mittelalter. Und weiter, dass sich der Export von 1400 bis 1600 vervierfachte und etwa eine Million Kilogramm erreicht hatte. [27] Händler mit Stockfisch, Häuten und Fellen, gesalzener Butter und Bauholz aus Norwegen sind schon 1122 in Bremen und Utrecht nachgewiesen, sie handelten auch in Köln und wahrscheinlich auch mit Flandern und der Normandie. [28] Später spielte jedoch die Hanse die entscheidende Rolle im Vertrieb des Stockfisches nach den südlicher gelegenen Teilen Europas.
 
Das hansische Kontor in Bergen 
Händler aus Bremen und später Lübeck besuchten das südnorwegische Bergen seit dem 12. und 13. Jahrhundert jeweils im Sommer, ab 1259 überwinterten sie dort. [29] Mit ihren umfangreichen Getreidelieferungen nach Norwegen hatten sich die Hansen im 13. und 14. Jahrhundert unentbehrlich gemacht. [30] Ein Edikt König Hakoons V. aus dem Jahr 1316 gestattete nur denjenigen Kaufleuten die Ausfuhr norwegischer Waren, wenn sie dafür Mehl, Malz und Getreide lieferten. [31] Auch Kleidung aus Flandern und handwerkliche Erzeugnisse aus dem Gebiet des Rheins wurden importiert. [32] Der Handel nördlich von Bergen, in den Schatzlanden Norwegens, der Finnmark und Islands, war den hansischen Kaufleuten durch ein Verbot seit 1302 jedoch verwehrt. [33]

Die hansischen Kaufleute in Bergen betrieben auch Handelspolitik. Darüber der Schifffahrts- und Hanse-Historiker Günter Krause: „Im Jahre 1416 verbot ein Hansetag die Fahrt zu den Shetland- und Orkneyinseln sowie zu den Färöern. Das erneute Verbot aus dem Jahre 1434 schloss dann auch die Islandfahrt mit ein. Hinter diesen Verboten stand das Kontor in Bergen, das vorwiegend von den wendischen Städten beherrscht wurde. Da Island ebenfalls wie Bergen Kabeljau als Ausfuhrware anbot, drohte von hier Konkurrenz. Die Isländer bezogen von den Hansen vor allem Mehl, Malz und Bier.“ [34]

2. Ausdehnung des Bergenhandels
Zwischen 1388 und 1528 stand das Bergener Kontor praktisch ununterbrochen unter der Vorherrschaft Lübecks. [35] Doch die seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts einsetzende Islandfahrt, an der sich vor allem die Engländer, aber auch hansische Seestädte beteiligten, schädigte die Stellung des hansischen Handels in Bergen. Isländischer Trockenfisch wurde direkt zu den Abnehmermärkten gebracht, und damit war das Bergener Stockfischmonopol, von dem vor allem Lübeck profitiert hatte, gebrochen.“ [36] Das Ende der Dominanz hansischer Kaufleute in Bergen, verkörpert in der Tyskebrygge, des deutschen Kontors, markiert der Verkauf des letzten Handelshauses im Jahr 1667 in norwegische Hände. [37] Den regen Handel nach Dänemark und Norwegen veranschaulichen folgenden Zahlen: Zwischen 1585 bis 1605 transportierten 3‘325 Schiffe aus Rostock Waren mit einem Volumen von 150‘000 Nettoregistertonnen nach Dänemark und Norwegen. [38]

Die neuere Geschichtsforschung hat aufgezeigt, dass die Umsätze von Kaufleuten und Städten in Italien, Spanien und Nordwesteuropa um ein Mehrfaches grösser waren, als die der Hanse. [39] „Die Handelsvolumina von Genua und Venedig waren in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts fünf- bis sechsmal so gross wie das überlieferte Mindestvolumen des seegestützten Lübecker Handels im Jahre 1368“ [40], so der Hanse-Historiker Rolf HammelKiesow in seinem Standardwerk über die Hanse. Bildete die Stadt Bergen das Scharnier zwischen Norwegen und den hansischen Städten, so bildete es das flandrische Brügge mit den Handelsstädten im Norden und den Märkten im Süden Europas.

Lübeck und die hansischen Niederlassungen in Brügge und Venedig 
„Im Westen privilegierte die Gräfin Margarethe von Flandern 1252 die deutschen Kaufleute für die gesamte Grafschaft, insbesondere für Damme und Brügge. Brügge war ein wichtiger Markt, auf dem mediterrane Waren […] angeboten wurden […].“[41], so der Wirtschaftshistoriker Hans-Jürg Gilomen. Das Brügger Kontor, das im Jahr 1356 dem Hansetag unterstellt worden war [42], war das bedeutendste Kontor der Hansekaufleute; 1457 wurden auf einer Versammlung 600 Personen gezählt, die dort für die Hanse tätig waren. [43] Vom in Brügge ansässigen Hildebrand Veckinghusen, der das Bürgerrecht Lübecks besass, wurden nach Auswertung von zwei seiner elf überlieferten Handlungsbücher zwischen 1400 und 1420 zu mehr als 1‘100 Personen Handelskontakte gezählt; nach Südeuropa erstreckten sie sich bis nach Lucca und Venedig. [44] Aus einer Eintragung im Lübecker Niederstadtbuch geht hervor, dass schon im Jahr 1373 Handelsverbindungen zwischen Lübeck und Venedig bestanden haben. [45] Die Hanse besass in Venedig seit dem 14. Jahrhundert eine Niederlassung. [46] Ein in Venedig niedergelassener hansischer Kaufmann bestätigte in einem Brief aus dem Jahr 1411 die entwickelten Handelsbeziehungen nach Italien. [47]

Bis ins frühe 16. Jahrhundert war der Südhandel stark ausgeprägt, scheint aber seit Mitte des 16. Jahrhunderts nachgelassen zu haben. [48] Hamburger Schiffslisten verzeichneten im 16. und 17. Jahrhundert im Durchschnitt jährlich nur ein oder zwei Schiffe von und nach Venedig [49].

Günter Krause zu den Handelsrouten: „Dass relativ wenig Fahrten in den Mittelmeerraum unternommen wurden, lag daran, dass die hansischen Seestädte relativ sichere und bequeme Landwege nach Venedig benutzten. Es soll vorgekommen sein, dass Hamburger Kaufleute in Venedig ihre Schiffe günstig verkauft haben und statt über See auf dem Landweg nach Haus gefahren sind.“ [50]

3. Die Routen der galere da mercato
Dies geschah wohl vor allem deshalb, weil sich mit der Ausdehnung des hansischen Handels im 16. und 17. Jahrhundert die Piratengefahr im Mittelmeerraum erheblich verstärkt hatte [51]: „Von 1615 bis 1629 waren 22 Schiffe von Barbaresken gekapert worden und im Jahr 1631 befanden sich noch 84 Mann in Gefangenschaft.“ [52], so Krause zur Piraterie der Nordafrikaner.
Venedigs Verbindungen nach Brügge 
Umgekehrt pflegten die Venezianer Handelsbeziehungen nach Lübeck sowie weiteren deutschen Städten. [53] Vor allem aber nach Brügge, die über den Land- wie auch über den Seeweg führten [54]. Italienische Kaufleute begannen seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert, sich halbpermanent an wichtigen Handelsplätzen nördlich der Alpen niederzulassen, so in Paris, London und Brügge. [55] Ab 1314 sandten die Venezianer die galere di Fiandra in Richtung Brügge bzw. seinem Hafen Sluis aus. [56] Die Ladekapazität solcher Galeeren betrug anfänglich 100 Tonnen, später bis zu 300 Tonnen, was fünfzig Waggons eines Güterzugs entsprach. [57] Diese Verbindung auf dem Seeweg kam aber spätestens 1521 zum Erliegen. [58] Im 15. Jahrhundert beherrschten italienische Banken den Geldmarkt in Brügge. [59]

Der Proteinbedarf der Bevölkerung und die relative Fischarmut des Mittelmeers 
Verschiedene Autoren erklären die grosse Nachfrage nach Stockfisch und Hering in Mittel- und Südeuropa mit der grossen Zahl an Fastentagen im katholischen Europa, während denen nur Fisch gegessen werden durfte. [60] Allerdings blieb der Fischkonsum auch in später reformierten Gebieten hoch. [61] Laut Braudel durften während der Fastenzeit bis zur Regierungszeit Ludwigs XIV. Fleisch, Eier oder Geflügel nur an Kranke und nur gegen eine doppelte Bescheinigung von Arzt und Priester verkauft werden. [62] Die Erklärung, dass die Nachfrage nach Fisch auf den Fastengeboten beruhen soll, greift jedoch zu kurz; Angelika Lampen bezeichnet sie als „Konstrukt“. [63] Tierisches oder pflanzliches Protein ist lebensnotwendig [64] und so deutet vieles darauf hin, dass der Proteinbedarf auf Grund fehlender lokaler Ressourcen und wegen einer wachsenden Bevölkerung nur mit einem grossen Aufwand zu decken war [65], sodass Protein importiert werden musste.

Zu den Fischvorkommen im Mittelmeer hielt Fernand Braudel fest: „[…] Das Mittelmeer ist nicht sonderlich fischreich. Seine Fischbestände lassen sich weder mit denen der Doggerbank in der Nordsee vergleichen, noch gar mit jenen der sagenhaften Fanggebiete Neufundlands, Nordjapans oder an der atlantischen Küste Mauretaniens.“ [66]

Die Ernährung in den christlichen Mittelmeergebieten beruhte denn auch in einem grösseren Ausmass als in den nördlichen Ländern nicht allein auf den Wirbeltieren der See, sondern bezog auch die niederen Seetiere, die frutti di mare mit ein. [67]

Einen weiteren plausiblen Grund für die Substitution frischen Fisches durch Stockfisch gibt der Kulinariker Peter Peter an: „Norwegischer Stockfisch […] wurde vor allem im stürmischen Winter beliebt, wenn die Fischer nicht ausfahren konnten.“ [68] Seit dem Mittelalter, und bis heute, soll der Mittelmeerraum der anspruchsvollste Markt für Produkte vom Kabeljau sein. [69]

Für den Westen gibt Fernand Braudel für die Zeit zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert zwei Perioden an, in denen die Bevölkerungsentwicklung langanhaltend stieg: zwischen 1100 und 1350 und von 1450 bis 1650. [70] Italien war um 1600 das dichtest besiedelte Land Europas und zählte 44 Einwohner pro Quadratkilometer; Holland hatte 40, Frankreich 34 und Deutschland noch 28 Einwohner pro Quadratkilometer. [71] Einen weiteren Grund nennt Gilomen, dass es bis Mitte des 15. Jahrhunderts über den Grundbedarf hinaus zu einer steigenden Nachfrage von Massengütern wie Textilien und Nahrungsmitteln kam: Nach der Pest von 1347 bis 1353 hatten sich mehr Ressourcen in den Händen der Überlebenden angesammelt. [72]

Die Bevölkerung Venedigs und ihre soziale Schichtung im 15. und 16. Jahrhundert
Venedig war gemessen an europäischen Verhältnissen eine riesige Stadt: Schon im 15. Jahrhundert hatte sie vermutlich über 100‘000 Einwohner; im 16. und 17. Jahrhundert stieg die Zahl dann auf 140‘000 bis 160‘000 Einwohner. [73] Doch schon im 15. Jahrhundert mussten Rinder in Ungarn für die Versorgung der Bevölkerung aufgekauft werden [74], was den Preis für Fleisch sicher in die Höhe trieb.

Betrachtet man die Bevölkerungsstruktur Venedigs am Ende des 16. Jahrhunderts, so zeigt sich, dass nur knapp 7 Prozent der Bevölkerung zu den Privilegierten gehörten und deshalb wohl auch genug wohlhabend waren, um sich frischen Fisch leisten zu können. Braudel über die Schichtung der Bevölkerung: „1586 umfasst die Arbeiterschaft knapp 34‘000 der insgesamt fast 150‘000 Einwohner, d.h., wenn man pro Arbeiter eine vierköpfige Familie ansetzt, nahezu die gesamte Stadtbevölkerung gegenüber der kleinen, ca. 10‘000-köpfigen Gruppe der Privilegierten.“ [75] Dies mag erklären, weshalb der Stockfisch in der Ernährung eines Grossteils der venezianischen Bevölkerung eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte.

Stockfisch und eingepökelter Hering waren, neben Getreide und Salz, die ersten Massengüter im Warenverkehr, hält Angelika Lampen in ihrer Dissertation über die Fischerei und den Fischhandel im Mittelalter fest, und sie bezeichnet diese beiden Güter als ein „gemeineuropäisches Produkt“. [76]

4. Stockfisch
Auffallend ist allerdings, dass in der in dieses Arbeit gesichteten Literatur keine quantitativen Angaben über die Menge des von Norwegen nach Norditalien importierten Stockfisches für den untersuchten Zeitraum gefunden werden konnten. Angaben vom Ende des 18. Jahrhundert und mutmasslich des frühen 19. Jahrhunderts vermitteln eine Vorstellung von den Dimensionen der Produktion und dem Absatz von Stock- und Klippfisch: So sollen in Bergen jährlich 12 Millionen Pfund Fisch und 20‘000 Fässchen eingemachter Rogen exportiert und für die Zubereitung 40‘000 Tonnen schwedisches und französisches Salz eingeführt worden sein. [77] Und in Spanien sollen jährlich gegen 5 Millionen Zentner Stockfisch für ungefähr 3 Millionen Piaster abgesetzt, und zur Fastenzeit in Paris sollen vor der Revolution gegen 20 Millionen Stockfische verkauft worden sein. [78] Dass keine älteren quantitativen Daten vorliegen, mag damit zusammenhängen, dass hier keine italienischsprachigen Untersuchungen einbezogen worden sind. Denkbar ist aber auch, dass effektiv keine oder nur sehr wenige Urkunden existieren. Im Zusammenhang mit dem Überlieferungs-Schicksal von Urkunden am Beispiel der Stadt Lucca im 12. Jahrhundert, weist der Historiker Arnold Esch nämlich darauf hin, dass Urkunden von Termingeschäften, wie etwa Lehrlings- oder Lieferverträge oder Darlehen, einfach deshalb nicht überliefert sind, weil sie weggeworfen wurden. Es handelte sich um alltägliche Geschäfte, die im Gegensatz etwa von Grundstücksgeschäften nur für eine kurze relativ Frist von Bedeutung waren. [79] Einiges deutet zwar darauf hin, doch geklärt werden konnte die Frage nicht eindeutig, ob der norwegische Stockfisch von Brügge aus hauptsächlich auf dem Landweg über die Alpen nach Norditalien gelangte oder auf dem Seeweg.

Endnoten
1„Gesalzener Kabeljau heisst baccalà auf Italienisch und bacalhau auf Portugiesisch, was beides aus dem spanischen Wort bacalao herleiten dürfte und letztlich auf das lateinische Wort baculus, Stock, zurückgeht.“ Kurlansky: Kabeljau, S. 45. „Das französische Wort für Kabeljau, morue, gab dem atlantischen Kabeljau den zweiten Teil seines lateinischen Namens.“ Kurlansky: Kabeljau, S. 44.
2 Im weiteren wird stets von Stockfisch gesprochen. „[…] der gefangene fisch wird durch schnellen schnitt in zwei, oder auch vier theile zerlegt und an stangengerüsten zumeist unter freiem himmel zum trocknen ausgehängt; von der luft klapperdürr gemacht, wird er bündelweise wie reisig […] in Speichern aufgeschichtet […].“ Grimm: Wörterbuch, S. 91, Sp. 1; im süddeutschen Raum war Stockfisch auch als Rackelfisch oder durrvisch bekannt. Vgl. Schubert: Essen, S. 146. Auf den Unterschied von Stock- und Klippfisch wird noch eingegangen.
3 Vgl. Confraternita del Bacalà alla Vicentina: Storia (Internet-Publikation).
4 Wirtschaftskulturen der Welt, Teil 1: Genua und Venedig, 9. bis 14. September 2015, MAS in Applied History, Historisches Seminar der Universität Zürich.
5 „Ich verstehe unter ‚Reisen‘ eine räumliche Bewegung, die sich über einen gewissen Zeitraum erstreckt, eine gewisse Entfernung überwindet und durch ein bestimmtes Ziel, Verhalten oder wenigstens Interesse eine innere Geschlossenheit erhält.“ Reichert: Erfahrung, S. 15.
6 Vgl. Querini: Naufragés, S. 9-50. Der Bericht Querinis wird unter der Signatur Vat. lat. 5256, fol. 42-55v° in der Biblioteca apostolica Vaticana in Rom aufbewahrt.
7 Vgl. Kurlansky: Kabeljau, S. 257.
8 Montanari: Hunger S. 100.
9 Zitiert nach Kurlansky: Kabeljau, S. 38. Mit Kabeljau wird hier die Fischart bezeichnet. Damals gelangte er jedoch immer als Stock- oder Klippfisch verarbeitet in die Küchen. „[…] kabeljau […] Das wohl aus portug. bacalhão, span. bacallao verderbte wort gehört zu lat. baculus und stellt sich so begrifflich zu unserem wort [Stockfisch], vgl. auch das besser besser erhaltenene bakkeljau. die angleichung erfolgte vermuthlich an kabel (zu mittellat. capulum ‚fangseil‘), weil der fisch an (oft 2000 m) langen leinen (der ‚grundschnur‘), von welcher mehr als 1000 angelschnüre sich abzweigen) gefangen wird.“ Grimm: Wörterbuch, S. 91, Sp. 1. Die französische Bezeichnung für frischen Kabeljau lautet cabillaud, was sich vom holländischen kabeljauw herleiten soll. Vgl. Kurlansky: Kabeljau, S. 45. Im Frankreich des 17. Jahrhunderts wurden verschiedene Qualitäten unterschieden: Ein gaffe war ein Stockfisch von aussergewöhnlicher Länge, kleine Fische hiessen marchande, lingues und raquets, zuviel oder zuwenig gesalzene oder durch Fusstritte der Packer beschädigte Stockfische wurden als viciées bezeichnet. Vgl. Braudel: Alltag, S. 228.
10 „Morua: Morua in aqua dequoquitur et cum synapi comeditur uel cum aleata, hoc modo: teruntur allea et mica panis et cum lacte amigdalarum uel nucum distemperatur. Et ponitur in cepis in oleo frixatis cum morua et aliquantulum bulliri permitatur.“ Zit. nach Redon: Tavola, S. 167. Zur Datierung des Manuskripts vgl. Bautier: Traités, S. 619.
11 Vgl. Montaigne: Tagebuch, S. 111f.
12 Braudel: Alltag, S. 230.
13 Kurlansky: Kabeljau, S. 40.
14 Vgl. ebd., S. 42.
15 Vgl. ebd., S. 30.
16 Vgl. Schubert: Essen, S. 146.
17 Vgl. Kurlansky: Kabeljau, S. 29.
18 Vgl. Sarhage: Fishing, S.90.
19 Zit. nach Sarhage: Fishing, S. 91.
20 Vgl. Braudel: Alltag, S. 226. Vgl. auch Montanari: Hunger, S. 100.
Um sich eine Vorstellung von der Grössenordnung der Aktivitäten auf Neufundland machen zu können, seien hier ein paar Daten und Zahlen genannt. Eine Schätzung des Jahres 1518 gibt ungefähr 15‘000 Europäer an, die dort tätig waren. 1534 beobachtete ein französischer Kapitän etwa 100 französische Schiffe, ein anderer Bericht gibt 149 englische Schiffe an. Ein Bericht von 1578 nennt 330 französische, spanische, portugiesische und englische Schiffe. Vgl. Sarhage: Fishing, S. 91. In den Gewässern rund um Island fanden noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts sogenannte Kabeljaukriege statt, die mit rustikalen Methoden ausgetragen wurden.
21 Vgl. Schubert: Essen, S. 147.
22 Vgl. ebd., S. 147; ausführlich vgl. Lampen: Fischerei, S. 142-145.
23 Vgl. Beythien: Warenlexikon, S. 182, Sp. 1f. Laberdan wird Kabeljau genannt, der gesalzen auf den Markt gelangt oder gesalzen in Fässer eingelegt für längere Zeit haltbar gemacht wird. Vgl. ebd., S. 182, Sp. 1.
24 Sarhage: Fishing, S. 90. Heute dominiert auf den Lofoten die Herstellung von Stockfisch. Sie bereitet jedoch zunehmend Schwierigkeiten, weil es häufiger zu Niederschlägen kommt, was den Trocknungsprozess erschwert. Lebhaft erinnert sich der Schreibende an den, soll man ihn als Geruch oder Gestank bezeichnen?, wenn ihn Streifzüge während oder nach einem Niederschlag auch durch die riesigen Gestelle, behangen mit Zehntausenden von Kabeljauen – und auf Schnüren aufgezogenen Fischköpfen, die früher gemahlen an die Kühe verfüttert wurden und heute auf den afrikanischen Markt gelangen – hindurch führten. Zur englischen Bezeichnung cod für Kabeljau: „Im Mittelenglischen bedeutete cod Tasche oder Beutel, und davon abgeleitet ‚Hodensack‘, weshalb der gewaltige Hosenbeutel, den die Männer im 16. Jahrhundert zwischen den Beinen trugen, um sich das Ansehen zu geben, im Besitze mächtiger, den Mann zierender Genitalien zu sein, als codpiece, Kabeljausack, bezeichnet wurde.“ Kurlansky: Kabeljau, S. 44.
25 Vgl. Schubert: Essen, S. 146f.
26 Ebd., S. 149.
27 Vgl. ebd., S. 147.
28 Vgl. Gilomen: Wirtschaftsgeschichte, S. 86.
29 Vgl. Sarhage: Fishing, S. 89.
30 Vgl. Krause: Hanse, S. 41 sowie Sarhage: Fishing, S. 89. „Die merkantile Dominanz der Hanse war bis zum 15. Jahrhundert so stark, dass skandinavische Königreiche bei der Zufuhr lebenswichtiger Güter voll und ganz in ihre Abhängigkeit gerieten. Doch mit dem Entstehen der regionalen Sonderinteressen einzelner Hansestädte und mit dem Erstarken vor allem der holländischen Seefahrt zerbröckelte diese Dominanz im Lauf des 15. Jahrhunderts, ohne dass allerdings die Seefahrt einzelner Hansestädte wie Lübeck oder Hamburg an Bedeutung verlor.“ Bohn: Seefahrt, S. 41f.
31 Vgl. Krause: Hanse, S. 41f.
32 Vgl. Sarhage: Fishing, S. 89.
33 Vgl. Krause: Hanse, S. 42 sowie Lampen: Fischerei, S. 147.
34 Vgl. Krause: Hanse, S. 43.
35 Vgl. Puhle: Hanse, S. 64. Das gespaltene Wappenschild der Lübecker Bergenfahrer vom Beginn des 16. Jahrhunderts zeigt auf der einen Seite einen halben Doppeladler, die andere einen gekrönten Stockfisch. Vgl. Hammel-Kiesow: Hanse, Abbildung auf S.149.
36 Ebd., S. 103.
37 Vgl. Puhle: Hanse, S. 65.
38 Vgl. Krause: Hanse, S. 57.
39 Vgl. Hammel-Kiesow: Hanse, S. 20.
40 Hammel-Kiesow: Hanse, S. 92f.
41 Gilomen: Wirtschaftsgeschichte, S. 88.
42 Vgl. ebd., S. 110. 
43 Vgl. Puhle: Hanse, S. 58.
44 Vgl. Hammel-Kiesow: Hanse, S. 100f.
45 Vgl. Krause: Hanse, S. 55.
46 Vgl. Kurlansky: Kabeljau, S. 34.
47 Krause: Hanse, S. 55.
48 Vgl. Hammel-Kiesow: Hanse, S.11.
49 Vgl. Krause: Hanse, S. 55.
50 Ebd., S. 55.
51 Vgl. ebd., S. 55.
52 Ebd., S. 56.
53 Vgl. Braudel: Weltwirtschaft, S. 131
54 Vgl. Krause: Hanse, S. 25.
55 Vgl. Gilomen: Wirtschaftsgeschichte, S. 91.
56 Vgl. Braudel: Weltwirtschaft, S. 134.
57 Vgl. ebd., S. 133.
58 Vgl. ebd., Karten auf S. 135.
59 Gilomen: Wirtschaftsgeschichte, S. 114.
60 Vgl. Hammel-Kiesow: Netzwerk, S. 112f. Montanari: Hunger, S. 96 sowie Peter: Küche, S. 42. Montanari: Hunger, S. 96 gibt 140 bis 160 Fastentage an, Hammel-Kiesow: Netzwerk, S. 113 nennt 180 Tage; nach Schubert: Mittelalter, S. 105 sollen es maximal 230 Tage pro Jahr gewesen sein. Als Handelsgut hatte eingepökelter Hering eine ebenso grosse Bedeutung für die Hanse, doch wird dieser Aspekt hier nicht behandelt. Die weite Verbreitung von Stockfisch und Hering in Mitteleuropa kann durch folgende Nachweise belegt werden: Die Meraner Stadtordnung von 1317 spricht von „gesalzen, durre oder gruene fisch.“ Vgl. Schubert: Mittelalter, S. 130. Ihren Bedarf an konserviertem Meerfisch deckten süddeutsche Klöster im 15. Jahrhundert auf dem Markt in Nürnberg ein. Und für das in der Eifel gelegene Kloster Maria Laach ist neben dem Verbrauch von Süsswasserfischen auch der Verbrauch von geräuchtem oder gesalzenen Hering und Stockfisch um 1550 nachgewiesen. Vgl. Sarhage: Fishing, S. 63. Selbst weit im Binnenland gehörten Hering und Stockfisch zu den eher bezahlbaren Fischereierzeugnissen und die lange Lagerfähigkeit im Gegensatz zu Süsswasserfischen machte das Produkt attraktiv. Vgl. Lampen: Fischerei, S. 40.
61 Vgl. Lampen: Fischerei, S. 42.
62 Vgl. Braudel: Alltag, S. 224.
63 Lampen: Fischerei, S. 17.
64 Ein Mensch benötigt je Kilogramm Körpergewicht und Tag ungefähr 0,8 Gramm Protein.
65 Vgl. Braudel: Alltag, S. 51.
66 Braudel: Meer, S. 38 sowie S. 39. Vgl. auch Philippson: Mittelmeergebiet, S. 58f. Über die wirtschaftlich bedeutsamen Fischvorkommen im Mittelmeer vgl. Braudel: Alltag, S. 224f.
67 Vgl. Philippson: Mittelmeergebiet, S. 59.
68 Peter: Küche, S. 43.
69 Vgl. Kurlansky: Kabeljau, S. 116. Für die Gegenwart kann diese Aussage durch eigene Beobachtungen im November 2015 gestützt werden: In den Hallen des Mercat de L’Olivar in Palma de Mallorca bot ein Händler bacalo isländischer Herkunft in mindestens 20 verschiedenen Qualitäten an, andere Händler mindestens fünf Sorten, und auch auf den Wochenmärkten Mallorcas ist bacalo zu finden. Dieser ist mit grobem Salz haltbar gemacht; Stockfisch hingegen fand sich nirgends.
70 Vgl. Braudel: Alltag, S. 23.
71 Vgl. ebd., S. 51.
72 Vgl. Gilomen: Wirtschaftsgeschichte, S. 97.
73 Vgl. Braudel: Weltwirtschaft, S. 141.
74 Vgl. Braudel: Handel, S. 34. Der Historiker Hans-Jürg Gilomen gibt die Jahre von 1375 bis 1475 an. Vgl. Gilomen: Wirtschaftsgeschichte, S. 104.
75 Braudel: Weltwirtschaft, S. 141f.
76 Lampen: Fischerei, S. 6.
77 Vgl. Pierer: Universal-Lexikon, S. 575, Sp. 1.
78 Vgl., ebd., S. 576, Sp. 1.
79 Vgl. Esch: Überlieferungs-Chance, S. 535.

Literatur
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Beythien, A./Ernst Dressler (Hg.): Merck’s Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe. Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Drogen- und Farbwaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren, Leipzig 1920 (7., völlig neu bearb. Aufl.).

Bohn, Robert: Geschichte der Seefahrt, München 2011 (C.H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe).

Braudel, Fernand: Der Alltag, Übersetzung aus dem Französischen von Siglinde Summerer, Gerda Kurz, Günter Seib, München 1990 (Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts 1).

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Braudel, Fernand: Das Meer, in: Ders., Georges Duby, Maurice Aymard: Die Welt des Mittelmeeres. Zur Geschichte und Geografie kultureller Lebensformen, hrsg. von Fernand Braudel, Frankfurt am Main 2013 (2. Aufl.), S. 35-60.

Esch, Arnold: Überlieferungs-Chance und Überlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers, in: Historische Zeitschrift, 240(1985), S. 529-570.

Gilomen, Hans-Jörg: Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters, München 2014 (C.H. Beck Wissen).

Grimm, Jakob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch, 10. Band, 3. Abt.: Stob – Strollen, bearbeitet von Bruno Crome und der Arbeitsstelle des Deutschen Wörterbuches zu Berlin, Leipzig 1957.

Hammel-Kiesow, Rolf: Die Hanse. München 2000 (C.H. Beck Wissen in der Beck’schen Reihe).

Hammel-Kiesow, Rolf: Ein starkes Netzwerk – der hansische Handel, in: Ders., Matthias Puhle: Die Hanse, Darmstadt 2015 (2., überarb. Aufl.), S. 91-158.

Krause, Günter: Handelsschifffahrt der Hanse, Rostock 2010.

Kurlansky, Mark: Kabeljau. Der Fisch, der die Welt veränderte, aus dem Engl. von Ulrich Enderwitz, München 1999.

Lampen, Angelika: Fischerei und Fischhandel im Mittelalter. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Untersuchungen nach urkundlichen und archäologischen Quellen des 6. bis 14. Jahrhunderts im Gebiet des Deutschen Reiches, Husum 2000 (Historische Studien).

Montaigne, Michel de: Tagebuch der Reise nach Italien über die Schweiz und Deutschland von 1580 bis 1581, übersetzt, herausgegeben und mit einem Essay versehen von Hans Stilett. Frankfurt am Main 2002.

Montanari, Massimo: Der Hunger und der Ueberfluss. Kulturgeschichte der Ernährung in Europa, aus dem Italienischen übersetzt von Matthias Rawert, München 1993 (Europa bauen).

Peter, Peter: Kulturgeschichte der italienischen Küche, München 2007 (2. Aufl.).

Philippson, Alfred: Das Mittelmeergebiet. Seine Geographie und kulturelle Eigenart, Leipzig 1914 (3. Aufl.).

Pierer, H.A. (Hg.): Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch, 10: Huss bis Karkos, Altenburg 1835.

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Querini, Pietro, Cristoforo Fioravante, Nicolò de Michiel: Naufragés, traduit du vénitien par Claire Judde de Larivière, Toulouse 2010.

Redon, Odile, Françoise Sabban, Silvano Serventi: A tavola nel Medioevo. Con 150 ricette dalla Francia e dall’Italia, prefazione di Georges Duby, traduzione di Maria C. Salemi Cardini, Roma 2005 (5. Aufl.).

Reichert, Folker: Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart 2001.

Sahrhage, Dietrich, Johannes Lundbeck: A history of fishing, Berlin 1992. Schubert, Ernst: Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2010 (2., unveränd. Aufl.).

Elektronische Publikation
Confraternita del Bacalà alla Vicentina: Storia e tradizione, http://baccalaallavicentina.it/storia-e-tradizione

Abbildungnachweis
1 Guyan, Walter Ulrich.: Lofotfischerei und Heringfang, in: Geographica Helvetica, 9(1954), S. 314 http://retro.seals.ch/digbib/view2?pid=ghl-003:1954:9::351

2 Hammel-Kiesow, Rolf: Ein starkes Netzwerk – der hansische Handel, in: Ders., Matthias Puhle: Die Hanse, Darmstadt 2015 (2., überarb. Aufl.), S. 112.

3 Braudel, Fernand: Der Handel, Übersetzung aus dem Französischen von Siglinde Summerer und Gerda Kurz, München 1990 (Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts 2), S. 135.

4. Trockenanlage für Stockfisch in Stamsund, Lofoten (NO). Fotografie von Stefan Kern im Jahr 2000

Samstag, 28. November 2015

2018 SCAR/IASC Conference in Davos (Switzerland)

Building on the success of the 2008 SCAR/IASC Conference in St. Petersburg (Russia) and two subsequent conferences within the International Polar Year, the 2018 SCAR/IASC Conference will be hosted by the Swiss Committee on Polar and High Altitude Research in Davos, Switzerland on 15-27 June 2018. The Conference will include SCAR, IASC and other business and satellite meetings, an Open Science Conference and the SCAR Delegates' Meeting. (SCAR)

Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR)
International Arctic Science Committee (IASC)
Swiss Committee on Polar and High Altitude Research

Mittwoch, 11. November 2015

Zuckerbrot und Peitsche. Skitouren auf Islands Trollhalbinsel. Text und Fotos: Caroline Fink

In: Die Alpen, 11 (2015), S. 12-19.

Abendrot am Nesnúpur am nördlichsten Zipfel von Tröllaskagi (Bild: Caroline Fink / Die Alpen, Ausschnitt)